Ein Family Day, der seinem Namen alle Ehre machte
Bevor wir uns dem sportlichen Geschehen widmen, müssen wir allerdings noch ein paar Worte über das Drumherum verlieren. Die Kassel Huskies hatten zum „Family Day“ geladen und rückten damit vor allem die jüngsten Eishockeyfans in den Mittelpunkt. Auch der Eislöwen-Kidsclub machte sich auf den Weg nach Hessen und begleitete unsere Mannschaft in die Probonio Arena.
Bereits vor dem eigentlichen Spiel standen sich die U9-Vertretungen beider Clubs auf dem Eis gegenüber. Ein besonderes Erlebnis für die kleinen Nachwuchscracks, das sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Den Abschluss bildete ein großes gemeinsames Foto.
Genau so geht Eishockey! Rivalität auf dem Eis, Respekt und Zusammenhalt daneben. Es sind diese Momente, die unseren Sport so besonders machen. Ein großes Dankeschön nach Kassel für die Gastfreundschaft und diesen gelungenen Nachmittag!
Viel Kampf, wenig Glanz und zunächst ein Rückstand
Kommen wir zum sportlichen Teil. Und der war, zumindest über weite Strecken, wahrlich kein Leckerbissen. Die Huskies legten druckvoll los und bekamen von unserer Defensive nach gerade einmal fünf Minuten etwas zu viel Platz serviert. Leonhard Korus nahm die Einladung dankend an und brachte die Hausherren mit 1:0 in Führung.
Wer nun auf ein packendes Eishockeyspiel hoffte, wurde zunächst enttäuscht. Beide Mannschaften mühten sich redlich, doch spielerische Höhepunkte blieben Mangelware. Zwei Strafzeiten auf unserer Seite, vier aufseiten der Gastgeber – Kapital konnte daraus allerdings niemand schlagen. Die Überzahlformationen beider Teams präsentierten sich erschreckend harmlos. Überhaupt fehlte beiden Offensivreihen über weite Strecken die nötige Durchschlagskraft.
Auch im Mittelabschnitt änderte sich daran zunächst wenig. Erst ließen unsere Eislöwen eine eigene Überzahl ungenutzt, anschließend musste Tom Knobloch für vier Minuten auf die Strafbank. Die Huskies kurbelten ordentlich, unsere Löwen mussten leiden, bissen sich aber durch und blieben standhaft. Beinahe wäre in Unterzahl sogar der Ausgleich gelungen.
Doch auch die nächste eigene Überzahl verstrich ohne Torerfolg. Immerhin: Das Momentum begann langsam, aber sicher auf unsere Seite zu kippen. Unsere Cracks behaupteten die Scheibe zunehmend besser im Angriffsdrittel, setzten die Hausherren unter Druck und spielten die Huskies irgendwann regelrecht müde.
Dann war es endlich so weit! Ryan MacKinnon zog ab, Drew LeBlanc und Connor Korte brachten ihre Schläger entscheidend an die Scheibe – und plötzlich stand es 1:1! Der verdiente Lohn für eine Phase, in der unser Rudel endlich mehr Biss und Entschlossenheit zeigte.
Berbner hält uns im Spiel – Ahlroth setzt den Schlusspunkt
In der Folge entwickelte sich tatsächlich noch so etwas wie ein offener Schlagabtausch. Beide Mannschaften hielten sich von der Strafbank fern und suchten die Entscheidung. Möglichkeiten gab es hüben wie drüben, doch mit der Chancenverwertung standen beide Offensivreihen weiterhin auf Kriegsfuß.
Besonders wichtig wurde in dieser Phase Marvin Berbner. Unser junger Schlussmann entschärfte gleich zwei Breakaways der Huskies und hielt seine Mannschaft damit im Spiel. Starke Aktionen, die am Ende einen entscheidenden Anteil am Auswärtssieg haben sollten!
Weil auf beiden Seiten kein weiterer Treffer fallen wollte, ging es für unsere Eislöwen erstmals in dieser Saison in die Verlängerung. Nach 13 Partien, in denen stets nach 60 Minuten Schluss gewesen war, gab es nun also die Premiere in Sachen Overtime.
Und dort bewies unser Rudel den längeren Atem!
David Suvanto packte einen sehenswerten Move aus und brachte den Kasseler Schlussmann damit bereits zu Boden. Den Abpraller schnappte sich Alec Ahlroth, der nicht lange fackelte und die Scheibe eiskalt zum 2:1-Siegtreffer versenkte! Auswärtssieg! Zwei Punkte!
Nach der Enttäuschung vom Freitag war das genau die Antwort, die wir uns von unserer Mannschaft erhofft hatten. Spielerisch sicherlich noch immer keine Offenbarung, aber mit Kampfgeist, Geduld und dem nötigen Willen belohnte sich unser Rudel am Ende für seinen Einsatz.
Platz vier klingt gut – darf aber nicht über die Baustellen hinwegtäuschen
Mit diesem Erfolg verabschieden sich unsere Eislöwen in die Länderspielpause. Zeit zum Durchatmen, aber vor allem auch Zeit, um die ersten 14 Saisonspiele gründlich aufzuarbeiten.
Denn so erfreulich der vierte Tabellenplatz auch ist, sollte er keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass noch längst nicht alles Gold ist, was glänzt. Unsere Mannschaft hat zweifellos Qualität, das hat sie bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Doch zwischen überzeugenden Auftritten und teilweise erschreckend uninspirierten Leistungen liegen mitunter nur wenige Tage. Die Konstanz fehlt, die Defensive offenbart immer wieder Schwächen und auch offensiv läuft längst nicht alles rund.
Gerade deshalb sollte die Länderspielpause nicht nur zum Verschnaufen genutzt werden. Auf das Trainerteam wartet reichlich Arbeit. Und auch die Verantwortlichen wären gut beraten, den Spielermarkt aufmerksam im Auge zu behalten.
Insbesondere auf der Torhüterposition sehen wir weiterhin Handlungsbedarf. Marvin Berbner hat in Kassel einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Doch der Junge ist noch jung, befindet sich mitten in seiner Entwicklung und darf keinesfalls verheizt werden. Ihm dauerhaft eine Verantwortung aufzubürden, die eigentlich auf mehrere Schultern verteilt gehört, wäre aus unserer Sicht der falsche Weg. Hier sollte man ernsthaft über eine zusätzliche Verstärkung nachdenken.
Natürlich wollen wir bei aller Kritik nicht vergessen, wo unsere Eislöwen aktuell stehen. Platz vier nach 14 Spielen ist eine ordentliche Ausgangslage, auf der sich aufbauen lässt. Und zwei Punkte aus Kassel nimmt man schließlich auch nicht im Vorbeigehen mit.
Aber wer höhere Ziele verfolgt, darf sich eben nicht allein mit dem Tabellenstand zufriedengeben. Entscheidend ist, wie sich unsere Mannschaft weiterentwickelt. Die bisherigen Auftritte haben gezeigt, dass in diesem Rudel einiges steckt. Sie haben allerdings ebenso deutlich gemacht, dass noch jede Menge Luft nach oben vorhanden ist.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses ersten Saisonabschnitts: Unsere Eislöwen können viel – aber sie müssen endlich lernen, dieses Können regelmäßig aufs Eis zu bringen.
Für den Moment überwiegt jedoch die Freude über den Auswärtssieg. Die passende Antwort auf den bitteren Freitagabend ist gelungen, zwei weitere Punkte wandern auf unser Konto und das Rudel darf mit einem Erfolgserlebnis in die Pause gehen.
Jetzt heißt es erst einmal: Durchatmen, Akkus aufladen und die Mähne richten!
Denn nach der Länderspielpause geht die wilde Fahrt weiter. Und wir hoffen doch sehr, dass unsere Löwen dann etwas häufiger den Weg nach oben finden.
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