Eigentlich hatten wir uns nach der bitteren 2:6-Heimniederlage gegen Regensburg eine klare Reaktion gewünscht. Ein konzentrierter Auftritt, defensive Stabilität und vielleicht ausnahmsweise einmal ein Spiel, bei dem man nicht schon nach wenigen Minuten die ersten Sorgenfalten bekommt.
Aber wir reden hier schließlich von unseren Eislöwen. Und die scheinen es derzeit einfach nicht ohne Drama zu können. Fast schon traditionell nutzte der Gegner die erste Dresdner Unterzahl zur Führung. 0:1 für Rosenheim. Na wunderbar. Da war es wieder, dieses unangenehm vertraute Gefühl. Doch damit nicht genug. Nur wenige Sekunden später legten die Gäste von der Mangfall nach. 0:2!
Zwei Gegentore innerhalb kürzester Zeit. Wieder ein früher Rückstand. Wieder diese unnötige Hypothek. Und wieder die Frage: Soll das tatsächlich schon wieder so ein gebrauchter Abend werden Nach den vergangenen Wochen hätte es wohl niemanden ernsthaft überrascht. Aber immerhin: Unser Rudel zeigte eine Reaktion. Noch vor der ersten Drittelpause brachte Felix Krüger die Scheibe im Rosenheimer Gehäuse unter. 1:2! Ein Lebenszeichen!
Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Hoffnung war zurück. Zumindest ein kleines bisschen. Wer unsere Spielberichte in dieser Saison regelmäßig verfolgt, dürfte mittlerweile ein ganz besonderes Verhältnis zur Torschussstatistik entwickelt haben.
Denn eines können unsere Eislöwen offensichtlich ziemlich gut: auf das gegnerische Tor schießen. Ob die Scheibe anschließend auch darin landet, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Wollen wir also wieder einmal einen Blick auf die Zahlen werfen? Na gut. Let's go! 35:22 Torschüsse für Dresden.
Klingt ordentlich, oder? Das Problem kennen wir mittlerweile zur Genüge: Für schöne Statistiken gibt es in der DEL2 keine Punkte. Entscheidend ist, wie oft die rote Lampe hinter dem gegnerischen Tor aufleuchtet.
Und genau daran hatte es zuletzt viel zu häufig gehapert. An diesem Abend sollte sich das allerdings noch ändern. Im zweiten Drittel arbeitete sich unser Rudel mühsam zurück in die Partie. Es war kein spielerisches Feuerwerk. Kein Sturmlauf, bei dem die Rosenheimer nur noch staunend hinterherschauen konnten.
Vielmehr war es harte Arbeit. Und manchmal braucht es eben genau die. Ausgerechnet Tom Knobloch, der vor der Begegnung für seinen 300. Einsatz im Trikot unserer Eislöwen geehrt worden war, sorgte für den Ausgleich. 2:2! Ein schöner Moment für unseren Angreifer. Und ein verdammt wichtiger Treffer für die gesamte Mannschaft.
Plötzlich war wieder alles offen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss: Auch die Starbulls hatten durchaus ihre Möglichkeiten, erneut in Führung zu gehen. Unsere Defensive präsentierte sich keineswegs immer sattelfest. Mehr als einmal hätte die Partie wieder in die falsche Richtung kippen können. Doch diesmal war das Glück auf unserer Seite. Und dann kam Riccardo Hendreschke! 3:2 für Dresden! Spiel gedreht!
Aus einem frühen 0:2-Rückstand war eine Führung geworden. Wer hätte das nach diesem Auftakt gedacht? Wobei wir nach den vergangenen Wochen eigentlich wissen sollten, dass bei unseren Eislöwen derzeit wirklich alles möglich ist. Anders als bei so manchem Auftritt zuvor ließ sich unser Rudel die Führung diesmal nicht mehr aus den Händen nehmen.
Im Gegenteil. Während die Gäste zunehmend unter Druck gerieten, fanden unsere Cracks immer mehr Gefallen am Toreschießen. Sebastian Gorcik setzte energisch nach und erhöhte auf 4:2. Jawoll! Endlich einmal ein bisschen Luft zum Atmen! Doch damit war der Torhunger unserer Eislöwen noch längst nicht gestillt. Gregory Kreutzer packte anschließend den Hammer aus und jagte die Scheibe mit ordentlich Gewalt zum 5:2 ins Netz. Und weil sechs Tore in dieser verrückten Serie offenbar zum guten Ton gehören, durfte auch David Suvanto noch einmal jubeln. In doppelter Überzahl machte er das halbe Dutzend voll. 6:2! Deckel drauf! Heimsieg! Aus einem 0:2 wurde ein 6:2. Sechs Dresdner Tore in Folge.
Wer nach den ersten Minuten schon innerlich mit der nächsten Enttäuschung gerechnet hatte, durfte sich nun doch noch über einen richtig schönen Eishockeyabend freuen. Natürlich macht ein solcher Sieg Spaß. Natürlich dürfen wir uns über sechs Tore, eine gelungene Aufholjagd und drei wichtige Punkte freuen.
Und selbstverständlich ist es ein gutes Zeichen, dass unsere Mannschaft nach einem frühen Zwei-Tore-Rückstand nicht auseinandergefallen ist, sondern die Partie noch eindrucksvoll gedreht hat.
Aber eines sollten wir bei aller Freude nicht vergessen: Auch dieser Sieg hat unsere Probleme nicht einfach verschwinden lassen.
Denn die ersten Minuten waren erneut alles andere als überzeugend. Wieder kassierten wir einen Gegentreffer in der ersten eigenen Unterzahl. Wieder folgte kurz darauf der nächste Rückschlag. Und auch nach dem Ausgleich war längst nicht alles Gold, was glänzte. Mit etwas mehr Konsequenz hätten die Rosenheimer die Partie zwischenzeitlich durchaus wieder zu ihren Gunsten drehen können. Diesmal ging es gut. Doch darauf können und dürfen sich unsere Eislöwen nicht dauerhaft verlassen. Was unserem Rudel weiterhin fehlt, ist die nötige Sicherheit im eigenen Spiel. Die Fähigkeit, über 60 Minuten konzentriert aufzutreten und dem Gegner nicht immer wieder selbst die Tür zu öffnen.
Und damit wären wir wieder bei unserem Lieblingsthema. 1:6. 6:2. 2:6. 6:2. Vier Spiele. Viermal sechs Tore für eine Mannschaft. Zweimal große Ernüchterung, zweimal ausgelassene Freude.
Konstanz sieht wahrlich anders aus. Vielleicht sollten wir beim nächsten Spiel einfach schon einmal vorsorglich sechs Tore einplanen. Die entscheidende Frage wäre dann nur noch, auf welcher Seite der Anzeigetafel sie am Ende stehen. Spaß beiseite.
Unser Rudel hat gegen Rosenheim Moral bewiesen, sich zurückgekämpft und am Ende verdient drei Punkte eingefahren. Das nehmen wir gerne mit.
Aber nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen wäre es vermessen, aus diesem Erfolg bereits eine sportliche Trendwende abzuleiten. Dafür braucht es mehr als einen gelungenen Abend.
Es braucht Konstanz. Es braucht Stabilität. Und es braucht endlich einmal mehrere überzeugende Auftritte hintereinander.
Denn so unterhaltsam diese Achterbahnfahrt für neutrale Zuschauer auch sein mag: Für uns Eislöwen-Fans dürfte es langsam gerne etwas weniger turbulent zugehen.
Wobei ... Sechs Tore, drei Punkte und ein Heimsieg? Wenn die Achterbahn so endet, steigen wir natürlich gerne wieder ein!
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