Die Vorfreude war da. Endlich ging es wieder um die berühmte Wurst. Endlich wieder Eiszeit in der JOYNEXT Arena. Endlich wieder Punktspiele für unsere Eislöwen.
Und trotzdem war da schon am Freitagmittag dieses mulmige Gefühl im Bauch. Die Euphorie aus der Vorbereitung? Irgendwie verflogen. Die Stimmung war gedämpfter als gedacht. Lockerer Treffpunkt, kurzweilige Bahnfahrt mit den Mädels und Jungs nach Dresden – und doch fehlte dieses ganz besondere Kribbeln.
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Das änderte sich spätestens, als wir endlich wieder in der Nordkurve standen. Das blau-weiße Feuer brannte wieder und ich hoffte zu diesem Zeitpunkt noch, dass der Funke auch auf unsere Mannschaft überspringen würde. Mit einer schönen Choreografie starteten wir gemeinsam in die neue Saison.
Die Kassel Huskies hatten wir in der Vorbereitung noch mit 4:1 geschlagen. Schon damals gab ich auf dieses Ergebnis nicht besonders viel – und nach den ersten 60 Minuten der neuen Saison fühlte ich mich darin bestätigt. Die grenzenlose Euphorie mancher konnte ich ohnehin nie so ganz teilen. Demut ist in dieser Liga wichtig. Wir wissen schließlich wie schnell es noch eine Etage tiefer gehen kann.
Während unsere Eislöwen fahrig und unsortiert wirkten, waren die Huskies sofort auf Betriebstemperatur und schossen im ersten Drittel eiskalt zwei Tore. Das hatte gesessen. Und besser wurde es zunächst nicht.
Kassel spielte abgezockt, hatte das Eislöwen-Spiel durchschaut und erhöhte im zweiten Abschnitt humorlos auf 0:4. Hmm. Irgendwie kam uns das alles bekannt vor. Die vergangene Saison liegt eben doch noch nicht so lange zurück. Genau deshalb sollten Demut und Bescheidenheit in den kommenden Wochen und Monaten gute Begleiter für uns sein.
Und die Nordkurve? Die machte einfach weiter. Wir trieben die Mannschaft nach vorn. „Auf geht's, Löwen, schießt ein Tor, schießt ein Tor, schießt ein Tor für uns!“ Und siehe da: Der Puck wurde mit aller Macht über die Linie gedrückt. Adam Helewka und Bruno Riedl brachten die Hoffnung zurück – 2:4 nach 40 Minuten. Paule auf dem Podest brachte es anschließend auf den Punkt: „Dieses Tor gehörte zu 60 Prozent den Fans.“
Entsprechend motiviert ging es in den Schlussabschnitt. Doch Kassel hatte an diesem Abend irgendwie auf alles eine Antwort. Das 2:5 wirkte kurzzeitig wie die Vorentscheidung, ehe unsere Eislöwen durch Jan Nijenhuis noch einmal auf 3:5 herankamen. Gerade einmal 47 Sekunden lagen zwischen beiden Treffern. Für das ganz große Comeback reichte es allerdings nicht mehr. Dafür waren die Huskies an diesem Abend einfach zu konsequent – und zu gierig. Zwei weitere Treffer sorgten gleich am ersten Spieltag für einen gehörigen Dämpfer: 3:7.
Ja, das klingt heftig. Und irgendwie war es das auch. Ein herzliches Guten Morgen an alle Träumer. Diese Saison wird kein Selbstläufer – schon gar nicht, wenn wir selbst weit von unserem Maximum entfernt bleiben.
Wildes Treiben in Memmingen
Keine 48 Stunden später standen unsere Cracks schon wieder auf dem Eis. Diesmal in Memmingen. Der Aufsteiger hatte sein Auftaktspiel am Freitag gewonnen und durfte nun erstmals auf heimischem Eis in der DEL2 ran.
Auch hier hatte ich im Vorfeld eine ungute Vorahnung und prophezeite im Fanclub-Budel ein ganz „komisches und wildes“ Spiel. Tja. Manchmal wäre es schöner, wenn man mit seinen Vorahnungen danebenliegt.
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Was wir uns da am Bildschirm anschauen mussten, war phasenweise schon grenzwertig. Ein Hühnerhaufen wäre vermutlich organisierter unterwegs gewesen. Und so kam, was irgendwie kommen musste: Im Powerplay ging Memmingen in Führung (11.). Eine wirkliche Antwort fanden unsere Eislöwen darauf zunächst nicht. Und wenn doch einmal etwas durchkam, war Michael Bitzer zwischen den Pfosten zur Stelle.
Im zweiten Abschnitt konnten wir dann endlich kurz aufatmen. Und nein, nicht weil unsere bestellte Pizza nach einer gefühlten Ewigkeit endlich geliefert wurde. Alec Ahlroth stellte in Überzahl auf 1:1 (26.). Jetzt sollte es doch endlich losgehen! Denkste.
Kurz darauf durften wieder die Hausherren in Überzahl ran und Nick Maul erzielte das 2:1. Es ging munter weiter. Dane Fox stellte nach etwas mehr als einer halben Stunde wieder auf Unentschieden, doch Ruhe und Ordnung kehrten deshalb noch lange nicht in das Dresdner Spiel ein.
Im Gegenteil: Nun waren die Gastgeber auch bei Fünf-gegen-Fünf erfolgreich. Die Stimmung im Fanclub-Budel? Entsprechend im Keller. Und auch im letzten Drittel sollte nicht mehr viel zusammenlaufen. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als Memmingen bereits auf 4:2 erhöhte. Spätestens da machte sich das Gefühl breit, dass es auch an diesem Abend nichts mit einem Eislöwen-Erfolg werden würde.
Einen positiven Aspekt gab es immerhin: Das bislang kränkelnde Überzahlspiel zeigte sich verbessert. Tomas Andres traf bei numerischer Überlegenheit zum 3:4 und sorgte damit noch einmal für Hoffnung. In den verbleibenden sechs Minuten versuchten unsere Eislöwen alles. Sie hatten sogar das nötige Glück, dass Memmingen gleich zweimal die endgültige Entscheidung verpasste. Doch vor dem gegnerischen Tor blieben wir abermals zu harmlos. Dann war Schluss.
Zwei Spiele. Null Punkte. Elf Gegentore. Das steht nach all den Vorschusslorbeeren und einer guten Vorbereitung nun erst einmal in den Büchern. Jetzt ist eine Reaktion gefragt. Die ersten beiden Auftritte werfen Fragen auf. Ist es der Druck? Ist es Überschätzung? Einfach nur ein schlechter Start? Fehlt nach dem Abstieg vielleicht noch das Selbstverständnis für diese Liga? Oder waren es schlicht zwei gebrauchte Abende?
Keine Ahnung. Nach zwei Spielen müssen wir sicherlich noch keine Grundsatzdebatten führen. Eine Saison wird weder am ersten noch am zweiten Spieltag entschieden. Aber genauso wenig sollten wir die beiden Auftritte schönreden. Die DEL2 wartet auf niemanden. Sie verzeiht Nachlässigkeiten nicht und sie interessiert sich herzlich wenig dafür, wie gut eine Vorbereitung gelaufen ist.
Am kommenden Wochenende erhoffen wir uns deshalb von unseren Eislöwen vor allem eines: Eine Reaktion. Nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.