Freitag himmelhoch jauchzend, Sonntag zu Tode betrübt. Willkommen in der Gefühlswelt eines Eislöwen-Fans! Wer nach dem überzeugenden 6:2-Derbysieg in Weißwasser gehofft hatte, unser Rudel würde nun endlich Konstanz in seine Leistungen bringen, wurde nur zwei Tage später eines Besseren belehrt. Gegen die Eisbären Regensburg setzte es auf heimischem Eis eine ernüchternde 2:6-Niederlage. Und wieder einmal bleiben mehr Fragen als Antworten.
Es ist mittlerweile eine regelrechte Achterbahnfahrt, auf die uns unsere Eislöwen mitnehmen. Auf einen überzeugenden Auftritt folgt der nächste Rückschlag. Auf Euphorie folgt Ernüchterung. Und kaum glaubt man, die Mannschaft habe endlich ihren Rhythmus gefunden, wird man wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Was sollen wir von diesem Rudel eigentlich halten?
Eine Frage, die sich nach diesem Sonntagabend wohl nicht nur bei uns stellt.
Denn ein Blick auf die Statistik macht die Sache nicht unbedingt verständlicher: 36:22 Torschüsse für Dresden. Sechs Gegentore. Null Punkte. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Dabei begann der Abend eigentlich nach Maß. Gerade einmal 104 Sekunden waren gespielt, als Adam Helewka die Scheibe im Regensburger Tor unterbrachte. 1:0 für unsere Eislöwen!
Ein früher Treffer, eine Führung im Rücken und die Hoffnung, den Schwung aus dem erfolgreichen Derby mitgenommen zu haben. Sollte das etwa der Auftakt zu einem weiteren Schützenfest werden?
Denkste! Denn was danach folgte, hatte mit der erhofften Fortsetzung des Freitagsauftritts herzlich wenig zu tun. Statt Sicherheit und Selbstvertrauen aus der frühen Führung zu ziehen, verlor unser Rudel zunehmend den Zugriff auf die Partie. Die Gäste aus Regensburg fanden immer besser ins Spiel und stellten unsere Defensive vor Probleme. Der Ausgleich nach 13 Minuten war deshalb keineswegs überraschend, sondern mehr als verdient. Und plötzlich war sie wieder da, diese unangenehme Frage: Warum gelingt es unseren Eislöwen eigentlich so selten, eine gute Ausgangslage konsequent auszunutzen?
Wer auf eine deutliche Leistungssteigerung im zweiten Drittel hoffte, bekam zunächst zumindest einen weiteren Grund zum Jubeln. David Suvanto brachte unsere Cracks in Überzahl erneut in Führung. 2:1! Alles wieder auf Anfang!
Doch wer glaubte, dieser Treffer würde unserem Spiel endlich die nötige Stabilität verleihen, sah sich bitter enttäuscht. Denn am eigentlichen Spielverlauf änderte sich herzlich wenig. Regensburg spielte clever, nutzte die sich bietenden Räume und führte unsere Eislöwen mit einfachen, aber wirkungsvollen Gegenangriffen immer wieder vor Probleme. Während unser Rudel nach spielerischen Lösungen suchte, machten es die Gäste deutlich unkomplizierter. Puck erobern. Umschalten. Abschließen. Und plötzlich war die erneute Dresdner Führung Geschichte.
Mehr noch: Bis zur zweiten Drittelpause hatten die Eisbären die Begegnung komplett gedreht und waren auf 4:2 davongezogen. Aus einer 2:1-Führung wurde ein 2:4-Rückstand. Auf heimischem Eis. Das war nicht nur ärgerlich. Das war vor allem erschreckend einfach.
Zwei Tore Rückstand vor dem Schlussabschnitt. Im Eishockey ist das bekanntlich noch lange keine Vorentscheidung. Also noch einmal alles nach vorne werfen? Noch einmal die berühmte Schlussoffensive starten? Noch einmal zeigen, dass man sich mit einer Heimniederlage nicht einfach abfinden möchte? Zumindest an den Bemühungen mangelte es nicht. 18:7 Torschüsse im letzten Drittel. Eine Statistik, die eigentlich Hoffnung machen sollte. Doch Eishockey wird nun einmal nicht nach Torschüssen entschieden.
Während unsere Cracks ihre Möglichkeiten ungenutzt ließen, zeigten sich die Regensburger weiterhin gnadenlos effektiv. Zweimal schlug es noch im Dresdner Gehäuse ein. Auf der anderen Seite? Fehlanzeige. Endstand: 2:6.
36 Torschüsse, zwei eigene Treffer und sechs Gegentore bei gerade einmal 22 gegnerischen Abschlüssen. Zahlen, die Fragen aufwerfen. Vor allem aber Zahlen, die verdeutlichen, dass Aufwand und Ertrag bei unseren Eislöwen an diesem Abend in keinem vernünftigen Verhältnis standen. Natürlich ist eine Saison lang. Natürlich wird es Rückschläge geben. Und selbstverständlich kann man auch gegen Regensburg verlieren.
Aber es ist eben nicht nur diese eine Niederlage. Es ist die Art und Weise, wie unser Rudel derzeit zwischen überzeugenden Auftritten und bitteren Enttäuschungen schwankt. Am Freitag gewinnen wir ein Derby in Weißwasser mit 6:2. Zwei Tage später kassieren wir auf eigenem Eis sechs Gegentore.
Wie passt das zusammen? Wo ist die defensive Stabilität? Warum gelingt es nicht, eine Führung einmal mit der nötigen Konsequenz zu verteidigen? Und weshalb braucht es offenbar immer wieder Rückschläge, bevor unsere Mannschaft aufwacht?
Fragen, auf die unser Trainerteam Antworten finden muss. Denn eines sollte mittlerweile deutlich geworden sein: Offensives Potenzial allein gewinnt keine Eishockeyspiele. Es braucht auch Disziplin, defensive Ordnung und die Fähigkeit, über 60 Minuten konzentriert zu arbeiten. Genau daran mangelte es an diesem Sonntag.
Aber wir sehen eben auch, wie schnell sie ihre eigenen guten Ansätze wieder zunichtemacht. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft derzeit eine Lücke, die sich nicht allein mit schönen Offensivaktionen schließen lässt. Es wird Zeit, dass unser Rudel Konstanz entwickelt. Dass aus einzelnen guten Auftritten eine verlässliche Leistung wird. Und dass wir nach einem Sieg nicht schon wieder befürchten müssen, beim nächsten Spiel das genaue Gegenteil zu erleben.
Denn irgendwann reicht es nicht mehr, immer nur zu sagen, dass die Mannschaft Potenzial besitzt. Irgendwann muss sie dieses Potenzial auch regelmäßig aufs Eis bringen.
Bis dahin bleibt uns Fans wohl nur eines: weiter mitfahren auf dieser Achterbahn. Allerdings wäre es langsam wirklich schön, wenn die nächste Fahrt nicht schon wieder im Tal der Ernüchterung enden würde.
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