16:30 Uhr. Treffpunkt Bahnhof Löbau. Unsere kleine, aber feine Reisegruppe war komplett. Fünf Eislöwen-Fans, eine gemeinsame Leidenschaft und ein klares Ziel: die drei Punkte aus der Lausitz mit nach Hause nehmen.
Unser „El Vize“ hatte sich dankenswerterweise als Fahrer zur Verfügung gestellt, seinen Gaul vorzüglich gesattelt und obendrein noch eine schöne Überraschung für die anwesenden Fanclubmitglieder im Gepäck. Was genau dahintersteckt, werden wir euch in den kommenden Wochen sicherlich noch auf unseren Seiten zeigen.
So viel sei verraten: Eine wirklich gelungene Geste! Die Stimmung war also bestens, als sich unsere kleine Reisegesellschaft in Richtung sächsisch-brandenburgische Grenze aufmachte.
Nach dem bitteren Auftritt in Düsseldorf war diese Frage durchaus berechtigt. Denn eines war klar: Mit einer Leistung wie beim 1:6 gegen die DEG würde es auch in Weißwasser verdammt schwer werden.
In der Halle angekommen, erwartete uns eine prächtige Derbykulisse. Volle Ränge, gute Stimmung im Gästeblock und ansonsten ein erfreulich entspannter Rahmen. Dass wir das bei diesem Duell auch schon ganz anders erlebt haben, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auf dem Eis dauerte es allerdings nicht lange, bis die erste Ernüchterung folgte. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als die Hausherren ihr erstes Powerplay nutzten und mit 1:0 in Führung gingen.
Wie sollte es auch anders sein? Ein früher Rückstand, ausgerechnet im Derby. Na wunderbar. Doch wer nun einen Sturmlauf der Füchse erwartete, sah sich getäuscht. Unsere Eislöwen übernahmen zunehmend die Initiative, arbeiteten sich in die Partie und erspielten sich zahlreiche Möglichkeiten.
20:7 Torschüsse nach dem ersten Drittel. Für Dresden!
Eine Statistik, die eigentlich eine andere Geschichte erzählen müsste. Doch auf der Anzeigetafel stand weiterhin ein ernüchterndes 0:1. Viel Aufwand, wenig Ertrag. Irgendwie kam einem das bekannt vor. Sollte das etwa wieder so ein Abend werden wie zuletzt in Düsseldorf. Nein! Ganz sicher nicht!
Nur eine Minute später war Alec Ahlroth zur Stelle und drehte die Partie komplett. 2:1 für Dresden! Zwei Tore binnen kürzester Zeit. Spiel gedreht. Gästeblock wachgeküsst. So hatten wir uns das vorgestellt. Unsere Cracks blieben anschließend die offensivere Mannschaft, bestimmten über weite Strecken das Geschehen und schienen die Begegnung zunehmend unter Kontrolle zu bekommen.
Doch Eishockey wäre nicht Eishockey, wenn es nicht gelegentlich völlig unnötig kompliziert werden würde. Ein vertändelter Puck, ein schneller Gegenzug und plötzlich stand es 2:2. Ärgerlich. Vermeidbar. Und vor allem völlig unnötig. Die Partie stand nun auf Messers Schneide. Die Füchse bekamen im Powerplay die Gelegenheit, das Spiel erneut zu ihren Gunsten zu drehen. Und genau in dieser Phase hätte das Derby durchaus eine andere Richtung einschlagen können. Doch unsere Eislöwen überstanden die Unterzahl.
Mehr noch: Kaum war der fünfte Dresdner wieder auf dem Eis, schaltete unser Rudel blitzschnell um. Konter! Und am Ende dieser Aktion stand Tom Knobloch goldrichtig. 39. Minute. 3:2 für unsere Eislöwen! Was für ein Zeitpunkt! Kurz vor der zweiten Drittelpause erneut in Führung zu gehen, nachdem man gerade eine brenzlige Unterzahlsituation überstanden hatte, war ein Wirkungstreffer zur denkbar ungünstigsten Zeit für die Gastgeber.
Und vielleicht bereits die Vorentscheidung. Wer glaubte, die Hausherren würden sich ihrem Schicksal nun widerstandslos ergeben, irrte allerdings. Die Füchse kamen mit Druck aus der Kabine, wollten den erneuten Ausgleich erzwingen und bekamen in Überzahl auch die Gelegenheit dazu. Doch statt des 3:3 folgte der nächste Dresdner Nadelstich. Unsere Cracks schlugen im Gegenzug zu! Tomas Sykora war zur Stelle, versenkte den Puck und ließ sich anschließend völlig zu Recht vor dem Gästeblock feiern. 4:2! Derbysieg in Sichtweite!
Spätestens jetzt war die Stimmung im blau-weißen Lager prächtig. Dabei waren es gerade die Treffer zum 3:2 und 4:2, die dieser Partie ihren entscheidenden Stempel aufdrückten. Beide fielen zu Zeitpunkten, an denen die Füchse selbst die Gelegenheit hatten, das Spiel in ihre Richtung zu lenken.
Doch während die Gastgeber ihre Möglichkeiten liegen ließen, zeigte sich unser Rudel in den entscheidenden Situationen gnadenlos effektiv. Und mit zunehmender Spielzeit wurde noch etwas deutlich: Den Hausherren schwanden langsam, aber sicher die Kräfte. Unsere Eislöwen hingegen hatten noch reichlich Körner im Tank.Was folgte, war die endgültige Entscheidung. Zunächst bekam Adam Helewka im Powerplay schlichtweg zu viel Platz. Und einem Spieler seiner Qualität sollte man diesen bekanntlich besser nicht gewähren. 5:2! Doch damit nicht genug. Auch Jan Nijenhuis durfte sich noch in die Torschützenliste eintragen. Ebenfalls in Überzahl bugsierte er die Scheibe an Füchse-Schlussmann Morrone vorbei. 6:2! Auswärtssieg! Derbysieg! Drei Punkte!
Feierabend in Weißwasser. Sechs Dresdner Tore, ein jubelnder Gästeblock und die Gewissheit, dass sich diese Auswärtsfahrt einmal mehr gelohnt hatte.
Und dennoch: Ein Derby muss man erst einmal gewinnen. Noch dazu auswärts. Und am Ende mit vier Toren Unterschied. Unsere Eislöwen haben an diesem Abend vor allem eines richtig gemacht: Sie trafen genau dann, wenn es darauf ankam. Der Doppelschlag zu Beginn des zweiten Drittels brachte uns zurück ins Spiel. Knoblochs Führungstreffer kurz vor der zweiten Pause setzte ein wichtiges Zeichen. Und Sykoras 4:2 nahm den Füchsen endgültig den Wind aus den Segeln.
Danach spielte unser Rudel seine konditionellen Vorteile konsequent aus und machte mit zwei weiteren Powerplaytreffern den Deckel drauf. Nicht alles war schön. Nicht alles war souverän. Aber vieles war am Ende verdammt effektiv. Und damit zurück zu unserer Eingangsfrage: Hatte unser Rudel Bock auf dieses Derby? Offensichtlich ja!
Vielleicht nicht in jeder einzelnen Spielminute. Aber immer dann, wenn es wirklich darauf ankam.
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