Die erste große Auswärtsfahrt dieser Saison stand uns am gestrigen Freitag ins Haus. Direkt aus dem Büro, raus auf die Schiene und ab nach Dresden. Etwas Puffer war eingeplant – doch Kabeldiebe wirbelten den Fahrplan ordentlich durcheinander. Mit viel Glück und dank des Verständnisses der Bus-Crew saßen wir um 16:37 Uhr dann doch noch im Fanbus Richtung Crimmitschau.
Auf der kurzen Fahrt blieb genügend Zeit, darüber nachzudenken, was uns wohl im Sahnpark erwarten würde. Nach den zwei ernüchternden Niederlagen zum Saisonstart war die Stimmung durchaus verhalten. Der Gästeblock platzte dafür aus allen Nähten. Rund 600 Eislöwen-Fans waren angereist und hofften gemeinsam auf den ersten Sieg der Saison.
Und das erste Drittel gehörte direkt unseren Cracks. Die Eislöwen suchten den Weg nach vorn, standen sich dabei aber – wie schon zuletzt – immer wieder selbst im Weg. Hier ein Haken zu viel, dort noch ein Schnörkel und manchmal schlicht Pech im Abschluss. Auch das eigene Powerplay glich eher einem lauen Sommerwind als einem brachialen Herbststurm.
So stand trotz spielerischer Überlegenheit nach 20 Minuten ein 0:0 auf der Anzeigetafel im ehrwürdigen Sahnpark. Nun ja. Wir sind lange genug dabei, um zu wissen, was in solchen Spielen häufig folgt.
Und ohne dafür eine Glaskugel bemühen zu müssen, kamen die Hausherren im zweiten Drittel irgendwann selbst zu einem Powerplay. Und na klar: Besser hätte man das Drehbuch kaum schreiben können. Die Scheibe zappelte im Eislöwen-Gehäuse, die Heimkurve flippte aus und wir fragten uns einmal mehr: Was haben wir eigentlich verbrochen?
Diesen Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, schlug der Puck schon wieder hinter „Schwendi“ ein. Der Doppelschlag zog kurz den Stecker. Doch unsere Eislöwen mühten sich weiter. Auch im Mittelabschnitt gaben unsere Cracks mehr Schüsse ab. Der Ertrag? Zero. Bedröppelte Mienen im und rund um den Gästeblock.
Und dann kam dieses Schlussdrittel, das uns noch einmal so richtig durch die Achterbahn der Gefühle schicken sollte. Die Eislöwen kamen mit ordentlich Biss aus der Kabine. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, da war der Bann endlich gebrochen. Alec Ahlroth stellte auf 1:2 – und plötzlich rollte der ESC-Express Welle um Welle auf die Eispiraten zu.
21 Eislöwen-Schüsse sollten es allein im letzten Drittel werden. Einer davon sorgte neun Minuten vor dem Ende für Ekstase im Gästeblock: Gregory Kreutzer, im Sommer aus Westsachsen an die Elbe gewechselt, netzte ausgerechnet im Sahnpark zum 2:2 ein.
Jetzt waren wir drauf und dran, die Eispiraten doch noch ins Tal der Tränen zu schicken. Doch abermals ließen unsere Cracks im Powerplay die große Chance liegen. Torgestänge, Abwehrbein oder Goalie – irgendetwas stand dem Führungstreffer immer im Weg. Jetzt bloß nicht überpacen. Und zack. Fliegt uns das ganze Ding um die Ohren.
Die Hausherren kontern, auf der linken Seite hat Streu einfach zu viel Platz und hämmert den Puck humorlos und absolut sehenswert ins lange Eck. Was für eine Sch....
Danach setzten die Eislöwen alles auf eine Karte. Offensiv wurde weiter gekurbelt, doch statt des 3:3 folgte der nächste Bock. Schwendi kommt aus seinem Kasten, verfehlt den Puck – und plötzlich liegt das Ding zum vierten Mal in unserem Tor. Vorbei war es trotzdem noch nicht. Tomas Andres brachte noch einmal Spannung in die Partie, doch mehr als das 3:4 sollte nicht mehr herausspringen.
Ende. Drittes Spiel. Dritte Niederlage. Das klingt erst einmal ziemlich ernüchternd. Aber ist jetzt wirklich alles schlecht? Nein.
Unsere Eislöwen spielen den Gegner phasenweise schwindelig, erarbeiten sich Chancen und feuern jede Menge Scheiben aufs Tor. Nur fehlt am Ende der Ertrag. Und das hat eben nicht ausschließlich mit fehlendem Glück zu tun.
Zu oft wird noch der eine Haken gesucht. Noch ein Pass. Noch ein Schnörkel. Statt einfach mal die Scheibe aufs Tor zu bringen und dorthin zu gehen, wo es wehtut. Die Qualität der Abschlüsse muss besser werden. Das Powerplay muss gefährlicher werden. Und vor allem müssen die guten Phasen endlich konsequenter genutzt werden.
Denn während wir uns teilweise einen Wolf kombinieren, macht es der Gegner deutlich einfacher. Crimmitschau brauchte nicht viele Möglichkeiten. Die Eispiraten nahmen die Schüsse, die ihnen angeboten wurden – und machten daraus die entscheidenden Tore.
So fühlt sich diese Niederlage am Ende irgendwie verdient und gleichzeitig absolut unnötig an.
Drei Spiele, null Punkte. Das ist die Realität.
Aber genauso Realität ist: Diese Mannschaft kann Eishockey spielen. Jetzt muss sie anfangen, sich dafür auch zu belohnen.
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